Als beginnender Hobbyfotograf ist man oft der Meinung, dass Motive zentriert fotografiert werden müssen. Diesen Fehler haben wir selbst oft genug gemacht, daher muss man erst lernen den goldenen Schnitt und die Drittel-Regel beim Fotografieren anzuwenden um einen besseren Bildaufbau zu erreichen. Der Begriff dürfte dem einen oder anderen vielleicht schon unter gekommen sein, da er nicht nur in der Fotografie von Bedeutung ist. Beim Ablichten von Motiven hilft der Goldene Schnitt und die Drittel-Regel dabei einem Motiv mehr Ausdruck zu verleihen und das Foto interessanter und harmonischer zu gestalten.
Der Goldene Schnitt ist bereits seit der Antike ein bekanntes “Werkzeug” und beschreibt eine bestimmte geometrische Teilung einer Strecke. Der griechische Mathematiker Euklid von Alexandria erkannte dieses Streckenverhältnis bereits zwischen 325 und 270 vor Christus bei seinen Untersuchungen über platonische Körper. Ungefähr ein Jahrtausend später beschäftigte sich der Mönch Luca Parcioli di Borgo Sepolcro mit diesen Arbeiten und nannte diese ästhetisch perfekte Streckenteilung auch die göttliche Teilung. Auf Wikipedia lassen sich noch weitere Daten und Fakten zum goldenen Schnitt und dessen Anwendung nachlesen.
Der goldene Schnitt wurde indes in eine mathematische Formel verpackt und lässt sich mit dem Verhältnis des kleineren zum größeren Teils wie der größere Teil zum Ganzen der Strecke ausdrücken:
a : b = b : (a + b) ergibt ein mathematisches Verhältnis von 0,6180339…
Die Drittel-Regel oder auch Zwei-Drittel-Regel ist eine Gestaltungsregel in der Fotografie, welche sich sehr vereinfacht an die Proportionslehre des goldenen Schnittes anlehnt. Dabei wird das Motiv gedanklich in neun gleich große Teile geschnitten und das Hauptmotiv auf dem der Fokus des Bildes liegen soll an einen der vier Schnittpunkte oder Linien angelegt. Mit der Drittel-Regel kann man auch die Wahrnehmung des Bildes beim Betrachter beeinflussen, denn das an einen Schnittpunkt gesetzte Motiv wird in den meisten Fällen zuerst wahrgenommen und erst dann der Rest des Bildes.
Diese zwei Regeln der Bildgestaltung bedürfen ein bisschen Übung, denn wenn man noch kein ausgeprägtes fotografisches Auge entwickelt hat passiert es oft, dass ein Hauptmotiv zentriert fotografiert wird und somit uninteressant und langweilig wirken kann. Um diesen negativen Effekt zu vermeiden sollte man sich in der Anfangsphase an der Nase fassen und beim fokussieren das Motiv gedanklich im Verhältnis 2:3, 3:5, usw. einteilen und das wichtigste Motiv an einen der Schnittpunkte legen. Durch die falsche Platzierung des Bildes erhält man einen gewissen Zielscheiben Charakter und nicht gerade selten sitzt der Kopf in der Bildmitte, Körperteile sind abgeschnitten oder man hat Rund um das eigentliche Motiv jede Menge Hintergrundkulisse.
Im Anschluss an unseren Graz Sightseeing Trip haben wir noch einen Abstecher am Stubenbergsee eingelegt und bei einer Radrundfahrt um den See habe ich die nachfolgenden Fotos zum Vergleich gemacht. Dadurch das die Schärfe-Einstellung der meisten Digitalkameras in der Suchermitte angeordnet sind wird auch intuitiv das Hauptmotiv in der Bildmitte platziert. Daher muss man sich bewusst an den goldenen Schnitt oder die Drittel-Regel erinnern um sie anfänglich auch anwenden zu können. Diese beiden Regeln zum Bildaufbau können für einen Großteil der abgelichteten Motive angewendet werden, jedoch gilt auch hier Ausnahmen bestätigen die Regel. In manchen Fällen kann ein Brechen der Goldenen Schnitt / Drittel-Regel dazu führen ein atemberaubendes Foto auf seiner Speicherkarte abzulegen, jedoch nur in Ausnahmefällen. Die roten Linien stellen auf dem Foto die goldene Schnitt Regel und die blauen Linien die Drittel-Regel dar, diese sollen als gedankliche Orientierung dienen.
schlechtes Beispiel für den goldenen Schnitt / die Drittel-Regel:
Viele Fotos von anfänglichen Hobbyfotografen werden vermutlich so aussehen, sofern sie sich noch nicht genauer mit der Bildgestaltung auseinander gesetzt haben. Beim schlechten Beispiel für die Anwendung des goldenen Schnittes bzw. der Drittel-Regel habe ich das Motiv bewusst im Zentrum gewählt. Dadurch kann man sehr gut erkennen, dass das Bild unbewusst einen langweiligen und statischen Eindruck vermittelt und nur wenig Eigenleben besitzt. Die Aussagekraft ist eher beschränkt und das Foto wirkt wenig spektakulär.

gutes Beispiel für den goldenen Schnitt / die Drittel-Regel:
Um den Unterschied eines Fotos ohne goldenem Schnitt / Drittel-Regel und mit angewandter Regeln besser darstellen zu können habe ich vom selben Standpunkt aus ein weiteres Foto geschossen bei dem die Bildaufbau Regeln angewandt wurden. Der Bildaufbau wurde sogar etwas überspitzt dargestellt und das Motiv befindet sich im rechten mittleren Bereich. Dadurch erhält das Bild mehr Aussagekraft, da der Straßenverlauf lebendiger wirkt und ein dynamisches Eigenleben festgehalten wurde.

Das sind wirklich sehr gute Tipps. Ich dachte bisher auch, dass die Motive möglichst in der Mitte zu finden sein sollten. Aber mit dem Vergleich ist sehr gut ersichtlich, dass die Bilder ganz anders wirken, wenn die Regeln angewandt werden. Ich werde das bei meinen nächsten Aufnahmen berücksichtigen.